Der Karlspreis

Projektpreisgeld

Förderung für ein starkes Europa

Seit 2025 verfolgt der Karlspreis mit einer mutigen neuen Förderinitiative und einem erweiterten Auftrag das Ziel, noch tiefgreifender zu wirken – durch die Unterstützung von gemeinnützigen Projekten in ganz Europa und die Stärkung des europäischen Geistes "von unten" mit jährlich einer Million Euro Fördermitteln.

Das Projektpreisgeld 2025

Europäische Solidarität, die ankommt

Der Internationale Karlspreis zu Aachen und die Karlspreisträgerin 2025, Dr. Ursula von der Leyen, unterstützen mit dem Projektpreisgeld 2025 drei Projekte, die den Schutz von Kindern und Jugendlichen in besonderer Weise in den Mittelpunkt stellen. Mehr als 900.000 Euro des Projektpreisgeldes fließen in diesem Rahmen an die Deutsche Traumastiftung sowie an die ukrainischen Organisationen Magnolia und Posmishka UA. Ihre Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie europäische Werte auch unter schwierigsten Bedingungen konkret umgesetzt werden können.

Deutsche Traumastiftung: Hilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche

Mit mehr als 500.000 Euro wird die Deutsche Traumastiftung bei ihrer Arbeit für eine bessere Traumaversorgung und den Schutz der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen unterstützt. Die Stiftung vernetzt Medizin, Psychologie, Sozialarbeit und Politik in Europa und setzt sich dafür ein, Menschen mit psychischen und körperlichen Traumafolgen einen besseren Zugang zu qualifizierter und umfassender Hilfe zu ermöglichen.

Im Mittelpunkt der Förderung stehen zwei europäische Projekte unter der Leitung von Professor Dr. Jörg M. Fegert vom Universitätsklinikum Ulm, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Gründungsmitglied der Deutschen Traumastiftung.

Ein Schwerpunkt ist die Fortbildung ukrainischer Fachkräfte in der psychosozialen Versorgung. Gemeinsam mit UNICEF Ukraine, der European Society for Child and Adolescent Psychiatry (ESCAP) und dem Mental Health Coordination Center des ukrainischen Ministerkabinetts werden Fachkräfte darin unterstützt, Kinder, Jugendliche und Familien zu begleiten, die durch den russischen Angriffskrieg traumatisiert wurden. Bestehende Online-Fortbildungen werden ausgebaut und durch internationale Expertinnen und Experten ergänzt. Ziel ist der nachhaltige Aufbau eines stabilen Netzwerks psychosozialer Fachkräfte in der Ukraine.

Das zweite Vorhaben widmet sich dem Kinderschutz in einer digitalen Welt. Cybermobbing, sexualisierte Gewalt im Internet und ausbeuterische Online-Strukturen stellen Kinder und Jugendliche vor wachsende Herausforderungen. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin, Dazugehören e.V. und dem Kompetenzzentrum Kinderschutz in der Medizin Baden-Württemberg am Universitätsklinikum Ulm entstehen ein europäisches Guidance Paper und praxisorientierte E-Learning-Module. Über ESCAP sollen die Ergebnisse europaweit verbreitet werden.

„Der Karlspreis steht für Europa und seine Menschen. Das Projektpreisgeld soll die ukrainischen Kinder unterstützen, die durch Russlands grausamen Angriffskrieg zutiefst traumatisiert sind. Die Deutsche Traumastiftung leistet hier großartige Arbeit für die Kinder“, begründet Ursula von der Leyen ihre Entscheidung.

Magnolia: Vermisste ukrainische Kinder wiederfinden

Mit rund 300.000 Euro unterstützt die Karlspreisstiftung das Projekt „Tracing and Reunification of Missing Ukrainian Children“ der ukrainischen Organisation Magnolia. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges sucht Magnolia nach Kindern, die innerhalb der Ukraine vermisst werden, von ihren Familien getrennt wurden oder in besetzte Gebiete beziehungsweise nach Russland verschleppt worden sind.

Das Projekt verbindet professionelle Fallarbeit mit digitaler Recherche, öffentlicher Suche, internationaler Vernetzung sowie psychologischer und rechtlicher Unterstützung für betroffene Familien.

Die bisherigen Ergebnisse machen die Wirkung der Förderung sichtbar: Seit März wurden 320 Suchmeldungen veröffentlicht. Über Fernsehausstrahlungen, Außenwerbung und digitale Kampagnen wurden mehr als eine Million Menschen erreicht. 208 Kinder konnten aufgefunden werden. Über die ukrainische Hotline 116 000 erhielten zudem Hunderte Eltern, Angehörige und Betreuungspersonen psychologische und rechtliche Unterstützung.

Hinter diesen Zahlen stehen individuelle Schicksale. Eines davon ist die Geschichte der zwölfjährigen Angelina (Name geändert), die nach der russischen Besetzung der Region Cherson im Oktober 2023 verschleppt wurde. Über lange Zeit hatte ihre Familie keine Informationen über ihren Aufenthaltsort. Durch die Sucharbeit von Magnolia konnte schließlich ermittelt werden, dass Angelina gemeinsam mit ihrem Bruder auf die besetzte Krim gebracht worden war. Erstmals konnte wieder sicherer Kontakt hergestellt werden. Angelina erklärte, dass sie nach Hause zurückkehren möchte. Die gewonnenen Informationen wurden an die zuständigen ukrainischen Behörden weitergeleitet und bilden die Grundlage für weitere Schritte zu ihrer sicheren Rückkehr.

Ein professionelles Fallmanagementsystem sorgt dabei dafür, dass Suchfälle und Beratungen systematisch dokumentiert, ausgewertet und nachvollziehbar bearbeitet werden. So verbindet Magnolia konkrete Hilfe für Familien mit einem transparenten und überprüfbaren Einsatz der Fördermittel.

Posmishka UA: Selbstständigkeit trotz Krieg und Behinderung

Rund 100.000 Euro fließen an die ukrainische Organisation Posmishka UA für das Projekt „Independent Living Skills for Children with Disabilities“. In der schwer vom Krieg betroffenen Region Saporischschja entsteht eine barrierefreie soziale Trainingswohnung, in der Kinder mit Behinderungen Fähigkeiten für ein möglichst selbstständiges Leben erlernen können.

Kochen, Haushaltsführung und andere alltägliche Tätigkeiten stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Förderung von Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Das Projekt schafft damit einen Raum, in dem Kinder praktische Kompetenzen erwerben und zugleich Perspektiven für ihre Zukunft entwickeln können.

Die Vorbereitungen für die Trainingswohnung sind weit fortgeschritten. Ein qualifiziertes Betreuungsteam steht bereit, erste Familien haben sich bereits für das Programm angemeldet. Kooperationen mit dem Kinderdienst der regionalen Militärverwaltung, dem Stadtrat von Saporischschja und der kommunalen Einrichtung „Zatyshna Domivka“ unterstützen die Umsetzung.

Wie dringend internationale Unterstützung gerade in Frontregionen ist, zeigt die Situation vor Ort: Im Juli 2026 wurde das Büro des Kinderschutzdienstes, eine Partnerorganisation von Posmishka UA, durch einen russischen Raketenangriff zerstört. Dennoch setzt das Projektteam seine Arbeit fort.

„Dieser Angriff zeigt, warum internationale Unterstützung für den Kinderschutz in Frontregionen nicht nachlassen darf“, betont Thomas Prefi, Vorsitzender der Karlspreisstiftung. „Die Förderung dieses Projekts steht für die Überzeugung, dass die europäischen Werte von Menschenwürde, Teilhabe und Solidarität gerade auch in der Ukraine weiterhin verteidigt werden müssen.“

Europäische Werte werden dort sichtbar, wo sie gebraucht werden

Die drei geförderten Projekte könnten unterschiedlicher kaum sein – und verfolgen doch ein gemeinsames Ziel: Sie schützen Kinder und Jugendliche, stärken ihre Rechte und geben ihnen in schwierigen Situationen neue Perspektiven.

Die Deutsche Traumastiftung stärkt die psychosoziale Versorgung und den Kinderschutz, Magnolia bringt vermisste Kinder und ihre Familien wieder zusammen, und Posmishka UA schafft Möglichkeiten für Kinder mit Behinderungen, ein selbstbestimmtes Leben zu erlernen.

Damit zeigt das Projektpreisgeld des Karlspreises, dass europäische Solidarität mehr ist als ein politisches Bekenntnis. Sie wird konkret, wenn Fachkräfte ausgebildet, Familien unterstützt, vermisste Kinder gesucht und Teilhabe ermöglicht werden.

Ermöglicht wird das Projektpreisgeld durch die gemeinnützige Stiftung der Aachener Bürger und Unternehmer Dr. Ing. Eckhard Schulz und Dr. rer. nat. Stefanie Schäfer-Schulz. Mit jährlich einer Million Euro soll es dazu beitragen, den europäischen Gedanken über Aachen hinaus zu verbreiten – und dort Wirkung zu entfalten, wo Hilfe besonders dringend gebraucht wird.

Die Projekte von Deutsche Traumastiftung, Magnolia und Posmishka UA stehen beispielhaft für dieses Anliegen: "Mit der Förderung dieser Projekte setzt die Karlspreisstiftung ein Zeichen dafür, dass europäische Solidarität nicht bei politischen Bekenntnissen endet", so Thomas Prefi. "Wir möchten den europäischen Gedanken dort mit Leben füllen, wo er am dringendsten gebraucht wird."


Über das Projektpreisgeld

Reichweite und Aufmerksamkeit

Der Internationale Karlspreis zählt zu den bedeutendsten europäischen Auszeichnungen und erreicht mit seiner jährlichen Verleihung weltweit Aufmerksamkeit. Ausgezeichnete Persönlichkeiten und Institutionen – zuletzt unter anderem Macron, Selenskyj und Ursula von der Leyen – stehen für herausragende Beiträge zur europäischen Einigung.

Auch der Europäische Jugendkarlspreis, die Karlspreis-Europa-Akademie sowie politische und kulturelle Veranstaltungen tragen dazu bei, die europäische Idee sichtbar zu machen und Menschen europaweit für das gemeinsame Projekt Europa zu gewinnen.

Neue Zielsetzung

Seit 2025 erweitert der Internationale Karlspreis seinen Auftrag: Mit zusätzlichen Mitteln sollen künftig noch mehr Menschen erreicht und konkrete pro-europäische Initiativen unterstützt werden.

Eine private Stiftung des Aachener Unternehmer-Ehepaares Dr.-Ing. Eckhard Schulz und Dr. rer. nat. Stefanie Schäfer-Schulz ermöglicht ein zunächst auf zehn Jahre angelegtes Projektpreisgeld in Höhe von jährlich einer Million Euro. Mit der großzügigen Donation werden – unter Einbindung der Karlspreisträgerinnen und Karlspreisträger – gemeinnützige Projekte gefördert, die europäischen Werte gestärkt, die Idee eines vereinten Europas sichtbar gemacht und der Einfluss des Karlspreises erhöht.

Wirkung und Nachhaltigkeit

Mit dem Projektpreisgeld werden gemeinnützige Aktivitäten von Bürgerinnen und Bürgern, NGOs, Vereinen, Verbänden, staatlichen Einrichtungen oder europäischen Zusammenschlüssen gefördert, die europäische Werte vermitteln, Demokratie und Freiheit stärken und das Miteinander über Grenzen hinweg erlebbar machen.

Förderfähig sind unter anderem Versöhnungs- und Integrationsprojekte, Bildungsinitiativen, Konferenzen zu europapolitischen Themen, soziale und kulturelle Aktivitäten wie Festivals oder Medienprojekte, digitale Formate, Sprachförderungen, Erasmus-Projekte sowie Maßnahmen zu Schwerpunkten der Europäischen Kommission – etwa Klimaschutz, Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder regionale Entwicklung. Auch Partnerschaften mit Institutionen außerhalb der EU oder Projekte in neuen Themenfeldern wie Raumfahrt oder Meeresforschung sind denkbar. Der pro-europäischen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Alle Projekte müssen dem Gedanken eines geeinten Europas dienen – also der Integration, Verständigung und dem Bewusstsein für die Bedeutung der Europäischen Union – und so zu einer gemeinsamen europäischen Identität beitragen.

Die Förderung erfolgt nach europäischen Gemeinnützigkeitsstandards; ein Kriterienkatalog erleichtert die Auswahl. Parteien und parteinahe Organisationen sind ausgeschlossen. Der jeweilige Karlspreisträger wird in die Vorschlagsfindung eingebunden. Die Kontrolle der Projekte liegt bei der unabhängigen Karlspreisstiftung.

Dank der Unterstützung der DSA Schäfer-Schulz Stiftung kann sich der Internationale Karlspreis so aktiv an europäischen Initiativen beteiligen, Netzwerke fördern und über das Jahr hinweg „Europa von unten“ sichtbar mitgestalten.