Entstehungsgeschichte

Entstehungsgeschichte

Als Grenzstadt erlebte Aachen die Schrecken des Zweiten Weltkrieges wie wenige andere Orte in Deutschland. Wochenlang war die Stadt Kriegsschauplatz, die Bevölkerung wurde zwangsevakuiert. Die noch verbliebenen Habseligkeiten in den verlassenen, ausgebombten Häusern nahmen Plünderer mit sich. Als die Stadt 1944 von den alliierten Streitkräften befreit wurde, hofften viele der noch verbliebenen Einwohner auf eine Besserung der Zustände. Doch zunächst war die Zeit von materieller Not und zunehmender Orientierungslosigkeit geprägt.

Dies war der Ausgangspunkt, als ein kleiner Kreis Aachener Bürger um den Textilkaufmann Dr. Kurt Pfeiffer nach Jahren geistiger Manipulation und Indoktrination einen Lesekreis, die „Corona Legentium Aquensis“, gründete. Mit der finanziellen Unterstützung Pfeiffers konnte der zunehmend an Bedeutung und Einfluss gewinnende Kreis Ausstellungen und Vortragsreihen mit Politikern, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden aus ganz Europa durchführen. Zu den Referenten zählten etwa der Philosoph Martin Heidegger, der Nobelpreisträger der Physik Werner Heisenberg, der Schriftsteller Werner Bergengruen und der spätere erste Karlspreisträger Richard Graf Coudenhove-Kalergi.

Die Diskussionen in der Corona regten Pfeiffer an, darüber nachzudenken, wie er und seine Freunde aktiv und öffentlichkeitswirksam Einfluss auf das politische Geschehen in Europa gewinnen und bei einer friedlichen Gestaltung der Zukunft mitwirken könnten, ohne die langwierigen Entscheidungsprozesse politischer Parteien oder Parlamente durchlaufen zu müssen.

Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest und dem von Papst Pius XII. angeküngigten Heiligen Jahr nutzte Pfeiffer ein Treffen der Corona am 19. Dezember 1949, um im heimischen Suermondt Museum seine Idee der Stiftung eines Aachener Europa-Preises vorzustellen (Vortrag von Dr. Kurt Pfeiffer). Angespornt durch den außerordentlich positiven Widerhall, sowohl in der Presse als auch bei wichtigen Persönlichkeiten, versammelte er binnen kurzer Zeit hohe Repräsentanten aus der Stadtverwaltung, der Technischen Hochschule, der katholischen Kirche, der städtischen Politik und der Wirtschaft zur Proklamation des "Karlspreises der Stadt Aachen".

Vonseiten der Stadt beteiligten sich Oberbürgermeister Dr. Albert Maas, Oberstadtdirektor Albert Servais und Bürgermeister Ludwig Kuhnen. Mit dem Preis sahen sie die Möglichkeit, an die halb vergessene europäische Vergangenheit der Stadt anzuknüpfen, den Blick der europäisch Interessierten wieder auf Aachen zu lenken und damit den Namen der Kaiserstadt über die eigenen Grenzen hinaus bekannt zu machen. Als Hüter der Grabeskirche Karls des Großen zählte Bischof Dr. Johannes Josef van der Velden ebenso zum Stifterkreis wie der Rektor der RWTH, Prof. Dr. Wilhelm Müller, und die Hochschulprofessoren Dr. Peter Mennicken und Dr. Franz Krauß. Die von Pfeiffer erhobene Forderung, die wirtschaftliche Einigung solle Priorität genießen und sei als Vorstufe für den Zusammenschluss Westeuropas dringend erforderlich, dürfte vor allem bei den Vertretern der Wirtschaft große Unterstützung gefunden haben. Zu ihnen zählte der Präsident der Handelskammer und spätere Oberbürgermeister Hermann Heusch, der Aachener Tuchfabrikant Erasmus Schlapp, der luxemburgische Generaldirektor der Vereinigten Glaswerke, Dr. Jean Louis Schrader, und der Niederländer Carel Nieuwenhuysen, Direktor der Philips-Werke.

Damit verfügte die Initiative über einen soliden Rückhalt. Die zwölf Gründungsmitglieder unterzeichneten wenig später die so genannte Proklamation von 1949. Sie bildet bis heute - ergänzt um die Erklärung von 1990 - das geistige Fundament des Karlspreises.

Drei Monate nach dem Vortrag Pfeiffers wurde am 14. März 1950 die "Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen" gegründet. Die erste Mitgliederliste liest sich wie ein "Who is who" Aachens. Rund 100 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche, Hochschule und Stadtverwaltung fanden Aufnahme in den Verein, dessen erstes Direktorium identisch mit den Unterzeichnern der Proklamation war.

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