Der Karlspreisträger 1982

Seine Majestät König Juan Carlos I. von Spanien

Rede des Oberbürgermeisters der Stadt Aachen, Kurt Malangré

Festliche Versammlung!

Am 23. Oktober 1520 feierte hier in diesem Saale Karl V. das Fest seiner Krönung, das glanzvollste des ganzen Mittelalters.

Als 1973 in demselben Saale der Spanier Don Salvador de Madariaga den Karlspreis entgegennahm, wies er auf eben diesen Karl V, der als Karl I auch Spaniens Krone trug, als den Herrscher hin, der während seiner ganzen Regierungszeit danach gestrebt habe, die Einheit Europas wiederzugewinnen.

Niemand konnte dabei 1973 ahnen, daß wir neun Jahre später, heute, aus demselben Grunde wie Salvador de Madariaga und wiederum an demselben Ort den Nachfolger Karls V auf dem Throne Spaniens anwesend sehen würden, den nun in Ihrer aller Namen und an erster Stelle zu begrüßen ich die große Freude und Ehre habe:

Seine Majestät, König Juan Carlos I von Spanien,

wir sind glücklich darüber, mit ihm auch Ihre Majestät Königin Sophia und die übrigen anwesenden Mitglieder der königlichen Familie und des königlichen Hauses in aller Herzlichkeit willkommen heißen zu dürfen.

Wir grüßen die Karlspreisträger früherer Jahre:

Den Karlspreisträger 1951,
den damaligen Rektor des Europa-Kollegs, Herrn Professor Dr. Hendrik Brugmans,

den Karlspreisträger 1967,
den damaligen Minister für Auswärtige Angelegenheiten des Königreichs der Niederlande und jetzigen Generalsekretär der NATO, Herrn Dr. Joseph Luns,

den Karlspreisträger 1976,
den damaligen Ministerpräsidenten und jetzigen Außenminister des Königreichs Belgien und amtierenden Präsidenten de Ministerrates der EG, Herrn Leo Tindemans,

den Karlspreisträger 1977,
den vormaligen Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland und jetzigen Präsidenten des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung und der Europa-Union, Herrn Walter Scheel,

die Karlspreisträgerin 1981,
die ehemalige Präsidentin des Europäischen Parlaments, Madame Simone Veil.

Wir freuen uns darüber, daß die Witwe des Karlspreisträgers von 1973 bei uns ist und begrüßen Donna Emilia de Madariaga,

Eine besondere Freude bereiten uns mit ihrer Anwesenheit

Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Herr Professor Dr. Karl Carstens und Frau Dr. Carstens.

Ich heiße willkommen die Herren Botschafter Spaniens, Belgiens, Irlands, Luxemburgs, Portugals, Dänemarks, Griechenlands, Frankreichs,

die Herren Gesandten der Niederlande und Italiens.

Unser Gruß gilt den anwesenden Abgeordneten des Europäischen Parlamentes, an ihrer Spitze den Herren Vizepräsidenten Dr. Egon Klepsch und Nicolas Estgen

und unter ihnen dem Präsidenten der Paneuropa-Union, Herrn Dr. Otto von Habsburg,

dem Präsidenten der internationalen Föderation und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerkes, Herrn Konsul Schnitker,

und dem langjährigen Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins und Präsidenten des Deutschen Bundestages, Herrn von Hassel,

sowie dem Generalsekretär des Parlamentes, Herrn Dr. Opitz.

Wir grüßen

den Präsidenten der parlamentarischen Versammlung des Europarates, Herrn de Areilza,

den Präsidenten des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaft, Jonkheer Mertens de Wilmars,

den Präsidenten der Europäischen Investitionsbank, Herrn Le Portz

und für die Kommission der Europäischen Gemeinschaft, Herrn Kommissar Dr. Narjes.

Wir heißen herzlich willkommen die anwesenden Abgeordneten beider Kammern des Spanischen Parlamentes, des Europarates und der gemischten Kommission und für die Spanische Regierung, den Ministerpräsidenten Spaniens, Herrn de Calvo Sotelo und Herrn Außenminister de Pérez-Llorca,

sowie zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Spaniens.

Wir begrüßen die anwesenden Mitglieder des Deutschen Bundestages

und für die Bundesregierung Herrn Bundeskanzler Schmidt und Herrn Wirtschaftsminister Dr. Graf Lambsdorff,

den Chef des Bundespräsidialamtes, Herrn Staatssekretär Neusel

und den Chef des Protokolls, Herrn Botschafter Graf von Finckenstein,

die erschienenen Mitglieder des Landtages von Nordrhein-Westfalen,

an ihrer Spitze des Präsidenten des Landtages, Herrn van Nes Ziegler

und für die Landesregierung, Herrn Ministerpräsidenten Rau.

Unseren Willkommensgruß richten wir an die anwesenden Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in den Ländern der Gemeinschaft und in Spanien,

an die hier versammelten ständigen Vertreter ihrer Regierungen bei der Europäischen Gemeinschaft und der NATO,

an den Oberbefehlshaber der vereinigten Streitkräfte Europa-Mitte, General Dr. Graf von Senger und Etterlin,

und die anwesenden Mitglieder des Consularischen Corps.

Wir freuen uns über die Anwesenheit des Diözesanbischofs von Aachen, Herrn Professor Dr. Klaus Hemmerle,

des Ehrenpräsidenten der Europa-Union, Herrn Theo M. Loch,

des Landesvorsitzenden der Paneuropa-Union, Herrn Bundesminister a. D. Dr. Erich Mende,

der Herren Präsidenten und Generalsekretäre der Europäischen Bewegung und fast aller nationalen Räte,

das geschäftsführende Präsidialmitglied des Deutschen Städtetages, Herrn Dr. Bruno Weinberger

und des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Rheinland, Herrn Oberbürgermeister Josef Kürten.

Ihnen allen, die Sie an diesem heutigen Ereignis teilnehmen, gilt unser Gruß!


Verehrte Anwesende!

Bei zahlreichen Gelegenheiten hat der Spanische König seine europäische Position formuliert, so beispielsweise am 28. Juni 1978 in Madrid, als er sagte:

"Als Forderung ersten Ranges erscheint unsere aufrichtige Zusammenarbeit beim Aufbau Europas. Europa ohne Spanien wäre unvollständig, wie eine nicht vollendete Sinfonie. Als Europäer verstehen wir uns, fühlen wir uns und wollen es sein. Europa ist unsere Zukunft, vielleicht noch unvollkommen, aber gerade deshalb uns fordernd und zweifellos unwiderruflich".

Ja, ohne Spanien wäre Europa unvollständig, ein Torso, geographisch, historisch, kulturell und in der aktuellen politischen Situation. Der geschichtliche und geistige Weg Europas bis hin zu unserer Gegenwart ist ohne Spanien ebenso undenkbar, wie es ohne den Beitrag dieses großen Landes kaum gelingen kann, die notwendige Gegenwartspflicht des Kontinentes zu erfüllen, durch die zusammengefaßte Anspannung aller Kräfte unsere Zukunft zu sichern.

Daher ist es ein bedeutsames Ereignis für die in der europäischen Gemeinschaft zusammengeschlossenen freien Völker Europas, wenn in wenigen Wochen zum ersten Male auch das nunmehr demokratische Spanien in den Gremien dieses Bundes vertreten sein, der gemeinsame Markt mit all seinen Chancen und Möglichkeiten sich auch diesem Lande öffnen wird und es teilnimmt an den nicht zu übersehenden Vorzügen der bisherigen Zehnergemeinschaft, deren Zusammenschluß im März dieses Jahres auf seine Gründung vor 25 Jahren in Rom zurückblickte.

Leider konnte dieser Rückblick nicht zum ungeteilten Jubel Anlaß geben. Die Jubiläumsäußerungen kennzeichneten die groteske Situation: Jeder der Jubiläumsredner und -schreiber bekundete seine große Bewunderung gegenüber dem Weitblick und dem Mut der Staatsmänner, die damals in gegenseitigem Vertrauen den großen historischen Wurf des Einigungswerkes gewagt haben.

Jeder pries das Erreichte - mit Recht, jeder betonte, daß alle gemeinschaftlichen Anstrengungen große Erfolge erbracht haben - mit Recht.

Europa hat im Innern den Frieden gesichert, den eigenen Wohlstand bedeutend erhöht, schafft seinen eigenen Nahrungsmittelbedarf, leistet von allen Kontinenten die größte Entwicklungshilfe, kooperiert mit 60 Ländern in Afrika, der Karibik und dem Pazifik.

Aber dennoch, trotz allem, trotz der Beweise des Gelingens der gemeinsamen Bemühungen wird zur Zeit die Gefahr einzelstaatlicher Alleingänge immer größer, zum Schaden aller, zum Schaden auch derer, die sie versuchen. Eben diejenigen, die den Krebsgang nationalen Flickwerkes gehen und die Rückkehr zu Protektionismus und Abkapselung der Binnenmärkte laut predigen oder insgeheim praktizieren, werden gerade dadurch weder die brüchig gewordene Wettbewerbsfähigkeit, noch steigende Inflation, noch die große Importabhängigkeit in der Energieversorgung, noch die mit all dem korrespondierende Steigerung der Arbeitslosigkeit, noch die Gesundung von Staatsfinanzen oder den Ausgleich der Handelsbilanz, noch die von außen uns drängende Bedrohung des Friedens zum Besseren lenken.

Es ist keine Spekulation, die wir anstellen, sondern selbst gemachte, eigene Erfahrung aus den 25 Jahren der Gemeinsamkeit, daß der Zusammenschluß die Krisen gemeistert hat, daß die Vitalität und Glaubwürdigkeit der Gemeinschaft alleine den Erfolg gebracht und daß der Grad der Bereitschaft zur europäischen Integration unser Schicksal entscheidet und keine Renationalisierung duldet.

Die Forderung zur vollen Verwirklichung dessen, was vor 25 Jahren unterzeichnet wurde, kann nicht stark genug sein, sie richtet sich an alle, die heute die Verantwortung tragen, die 1957 die damaligen Staatsmänner zum Wohle ihrer Völker, zum Wohle Europas handeln ließ.

Diese Forderung richtet sich an alle Organe der Gemeinschaft. Sie richtet sich insbesondere an den Ministerrat, der nach den Römischen Verträgen ein Organ der Gemeinschaft ist und damit zur Förderung der Gemeinschaftsinteressen verpflichtet wäre, sich selbst aber zu einer diplomatischen Konferenzveranstaltung der nationalen Interessengegensätze denaturiert hat, in dem Einigungen auf dem niedrigsten gemeinsamen Nenner versucht werden und Lösungen da, wo nicht einmal dieser Nenner gefunden werden kann, unterbleiben.

Wir fordern die Versprechungen ein, die in den Ministerräten und Gipfelkonferenzen der letzten Jahre gemacht wurden.

Wir fordern ein die vollständige Ausfüllung der Römischen Verträge, die Auswertung des Tindemans-Berichtes von 1975, die Einigung über die Vorschläge der Kommission gemäß dem Auftrag des Rates vom 30. Mai 1980, die Auswertung des Genscher-Colombo-Planes von 1981.

Wir müssen erwarten, daß der Rat der Regierungschefs, der sich Europäischer Rat nennt, nicht nur die Weitsicht und den Mut der Gründerväter preist, sondern ihn aufnimmt, endlich die ihm gemachten Vorschläge in Taten umsetzt.

Wir fordern, daß der Stau von Dutzenden von Vorschlägen, der sich vor dem handlungsunfähigen Ministerrat türmt, endlich zum Wohle aller entscheiden wird in einem allein fähigen Regelprinzip der Mehrheitsentscheidung und unter parlamentarischer Kontrolle.

Wir fordern die Gewährung der dem freigewählten Parlament zustehenden Rechte ein und bestehen auf uneingeschränkter Respektierung der Urteile des Europäischen Gerichtshofes durch die nationalen Instanzen.

Die Bevölkerung des Kontinentes erwartet die Verwirklichung des Binnenmarktes und der Zollunion, ihr ist mit Recht die Praxis der nationalen Zollkontrollen ein Ärgernis. Hier im Saale sind zahlreiche Bürgermeisterkollegen und Landräte anwesend, die immer wieder die Klagen ihrer Mitbürger über groteske Praktiken der Bürokratien und gemeinschaftswidrige nationale Bestimmungen an den Grenzen vorgetragen erhalten und nicht helfen können, weil Anachronismen mitgeschleppt werden, die längst auf den Flohmarkt der Kuriositäten gehören.

Spanien steht vor der Türe und Portugal ebenfalls. Sie sind uns willkommen, aber sie rufen uns auch auf, unser Haus zu bestellen und vorzubereiten.

Spanien wird uns helfen, die Brücke zu schlagen nach Nordafrika und den Ländern Lateinamerikas, auf deren Partnerschaft wir nicht nur im Austausch von Rohstoffen einerseits und technischem Wissen andererseits angewiesen sind, sondern deren freiheitliche Ordnung uns aus der Erfahrung interessiert, daß der Respekt vor der Freiheit der Staaten und ihrer Bürger den Frieden sichert.

Wie sehr die Erfahrungen, Kenntnisse und Kontakte Spaniens zu Lateinamerika uns helfen können, schneller, umfassender, richtiger informiert zu sein, mehr Handlungs- und Verhandlungsspielraum zu haben, zeigen unsere Tage.

Aber Spanien wird auch den ganzen Reichtum seiner Kultur und Geschichte, seiner Erfahrungen und Eigenarten in die Gemeinschaft einbringen und dabei wie die Erfahrung zeigt, nicht seine Tradition aufgeben müssen.

Wie Reinhold Schneider es sagt: "Wer seine Tradition nicht behauptet, hat dem anderen wenig zu bringen. Und nicht die Vermischung, sondern der Zusammenklang der Eigenarten allein verdient des Namen Europa. Dabei hat sich Spanien in dem wunderbaren, hörbar-unhörbaren Zusammenklang der europäischen Traditionen als unabdingbar erwiesen".

Oder hören wir zu, wie der König selbst über den Beitritt seines Landes am 8. Februar 1977 in Rom sprach: "Die europäische Geschichte ist nicht in richtiger Weise zu verstehen, wenn man nicht den entscheidenden Beitrag berücksichtigt, den auch Spanien zu ihrer Entwicklung und Festigung beitrug. Beim Aufbau des geeinten Europa darf unser Beitrag nicht fehlen.

Aber Europa ist mehr als ein Kontinent. Es ist vor allem eine Auffassung des Lebens, die sich auf humanistische und christliche Prinzipien gründet und sich orientiert an der Suche nach Gerechtigkeit und Freiheit im Dienst am allgemeinen Wohl und an der Würde des Menschen. Das Spanien von heute fühlt sich der Erhaltung und dem Schutz der Rechte der menschlichen Person zutiefst verpflichtet und zielt auf eine internationale Welt, die stärker zusammenarbeitet, gerechte rund menschlicher ist."

Das sind die immer wiederkehrenden, in zahlreichen Ansprachen des Königs bestätigten Leitmotive seines Handelns: Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde!

Wenn wir uns an Cervantes erinnern, der von 400 Jahren sagte: "Die Freiheit ist eines der kostbarsten Geschenke, die der Himmel den Menschen gegeben hat", wenn vor 10 Jahren Madariaga in diesem Saale rief: "Zuerst die Freiheit", dann muß es uns tief bewegen, heute den unter uns zu sehen, der diesem kostbaren Geschenk des Himmels Raum gab in seinem Lande, der den Ruf nach der Freiheit aufnahm, der ohne revolutionären Zwang und Druck aus der eigenen fülle seiner Macht aus freiem Willen und nur aus der Erkenntnis, was seinem Lande diene, die Macht in die Hände seines Volkes legte und eben darum wohl auf eine ungleich tiefere Weise als durch gewaltsame Aufrechterhaltung eigener Macht je möglich, um so glaubwürdiger König seines Volkes blieb und wurde.

Am 22. Juli 1977 richtete er zur Eröffnung der ersten Sitzungsperiode des neugewählten Parlamentes eine Botschaft an die Versammlung, in der es eingangs heißt: "Bei der Eröffnung dieser historischen Session sehe ich einen Vorsatz erfüllt, dem ich mich immer als König verpflichtet gesehen habe: der friedlichen Einrichtung des demokratischen Zusammenlebens auf der Basis der Achtung vor dem Gesetz, das die Manifestation der Souveränität des Volkes ist".

Wenn es eine besondere Tragik und Herausforderung unserer Gegenwart, ist, daß Systeme sich "Volksrepubliken" nennen, aber das Volk unterdrücken, so sehr ist es ein mutmachendes Beispiel, einen König, zu sehen, der seinem Volke Souveränität bringt, ihm die Einrichtungen seines demokratischen Zusammenlebens nach Recht und Gesetz gewährt. Während beispielsweise in dem europäischen Nachbarland Polen die Freiheit des Volkes von solchen unterdrückt wird, die behaupten, die Volksherrschaft auszuüben, wird in Spanien die Herrschaft des Volkes freiwillig von dem errichtet, der die Macht alleine in Händen hielt und die Krone des Königs trägt.

Aber die Souveränität des Volkes wurde nicht nur ermöglicht, sondern auch verteidigt, der als richtig erkannte Weg bis zu den äußersten persönlichen Risiken beschritten und bestätigt in jener Fernsehbotschaft an das Spanische Volk in der Nacht des Putschversuches, als König Juan Carlos keinen Zweifel ermöglichte: "Die Krone, Symbol der Dauer und Einheit des Vaterlandes, kann in keiner Weise Handlungen oder Verhaltensweisen von Personen dulden, die versuchen, mit Gewalt den demokratischen Prozeß zu unterbrechen, den die Verfassung, durch das Spanische Volk bestätigt, durch sein Referendum festgelegt hat."

Der Kostbarkeit des Geschenkes der Freiheit entspricht auch ihre Gefährdung und muß die Bereitschaft zu ihrer Verteidigung entsprechen. Auch das zeigt uns der diesjährige Karlspreisträger. Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, diese Kardinaltugenden, hat schon Thomas von Aquin als entscheidende Voraussetzungen für eine sinnvolle Machtausübung bezeichnet. Wie weit ist diese zutiefst europäisch-abendländische Handlungsweise eines Mächtigen, bei dem Wort und Tat bis zur härtesten Konsequenz übereinstimmen, entfernt von jenen opportunistischen Taktikern, die die Kunst und Größe echten Regierens auch in europäischen Staaten in Mißkredit bringen. Wie tief ist das Mißtrauen gegenüber denen geworden, die ihre Entscheidungen nicht danach ausrichten, was den Bürgern auf Dauer dient, sondern was ein nächstes Wahlziel erreichbarer erscheinen läßt, die nur das zu tun für notwendig halten, was möglichst vielen zusagt, anstatt das zu sagen und zu tun, was für möglichst viele notwendig ist.

Verehrte Anwesende, wir haben eine Zukunft zu verlieren, wenn wir nicht eine Union Europas erreichen. Lassen wir unsere Pflicht so sehen, wie König Juan Carlos I sie 1978 formulierte: "Die Aufgabe, die vor uns liegt, ist wahrhaftig ungeheuer groß. Sie erfordert eine Zusammenarbeit, deren erstrangiges Ziel der Bau des vereinten Europa ist, der schon oft versucht, auch mehrfach fast erreicht wurde, aber bislang nie völlig gelang.

Diesen Bau Europas kann in unseren Tagen nur der gemeinsame Wunsch nach Freiheit in Gerechtigkeit verwirklichen, wenn es uns gelingt, die Trägheit der Einzelinteressen zu überwinden, um sie in den großen Rahmen des gemeinsamen Interesses aller Europäer einzufügen, wenn wir es erreichen, auf die Erwartungen der Menschen und Völker des Kontinents mit einer neuen Gesellschaft zu antworten, einer gerechteren, solidarischeren, freieren und unabhängigeren."

Eure Majestät, Sie haben Ihrem Lande den Weg zu einer solchen Zukunft geebnet, den Eintritt Spaniens in die Gemeinschaft der freien Völker Europas gewollt und ermöglicht. Hierdurch und durch Ihr beispielhaftes Handeln hat Ihr Wirken geschichtliche Dimensionen erlangt.

Daher hat das Direktorium der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen einstimmig beschlossen, Eurer Majestät den Karlspreis für das Jahr 1982 zu verleihen.